Samstag, 19. Juli 2008

Ich war dann noch mal eben in Shanghai...

Meinen Rückflug hatte ich erst für den anschließenden Montagabend gebucht. Die Frage war also, was ich denn noch von Samstagmorgen an machen sollte – Peking kannte ich ja nun. Eigentlich hatte ich im Kopf noch einmal mit dem Nachzug nach Xian zu fahren, um mir die Terrakotta Armee anzuschauen. Das Problem wäre dann nur gewesen, dass ich dann das EM Finale nicht hätte sehen können. Wer konnte denn auch ahnen, dass unsere Jungs es soweit schaffen. Na ja, oder wer hätte es zu diesem Zeitpunkt ahnen können, dass sie verlieren würden.
Statt nach Xian zu fahren, haben Kati und ich kurzerhand einen Zug nach Shanghai gebucht. Wir wollten nicht nur die Stadt sehen, sondern insbesondere auch unsere lieben Freunde und MIBS-Kameraden Jörg, Katja und Hanna zu besuchen.
Die Zugfahrt war recht angenehm, wenn auch kalt. Der Zug war ein gute Kopie unseres ICEs, genauso schnell und die Beinfreiheit war riesig. Abend in Shanghai angekommen, haben uns dann Jörg und Katja vom Bahnhof abgeholt. Anschließend ging es zum Essen. Ich hatte mir zwar ein schönes Steak gewünscht, aber stattdessen wurde ich in ein weiteren chinesisches Restaurant geschleppt. Mir war zwar nach 2 Wochen ein wenig nach westlichem Essen, aber unsere Wahl war wirklich lecker. Im Anschluss sind wir dann in eine Bar zum Cocktail schlürfen, wo wir dann auch Hanna, ein paar deren Klassenkameraden und einen ehemalige Bayerkollegen getroffen, bei dem ich damals zur MIBS-Willkommenparty untergekommen war. Auf jeden Fall, haben wir glaube ich alle ein bisschen verstört geguckt.
Am nächsten Morgen wurden wir dann zum Fruehstueck mit Brötchen „vom BESTEN Bäcker der Welt“ (Zitat anonym) geweckt und sind im Anschluss in die City zum Sightseeing. Zunächst haben wir uns einen Ueberlick verschafft und sind auf das zweithöchste Gebäude Shanghai geklettert. Na ja, eigentlich haben wir den Fahrstuhl genommen. Die Stadt wirkte einfach riesig, modern und nicht endend. Von dort ging es per Faehre auf die andere Seite des Flusses, wo die French Concession (alter Stadtteil) lag, durch deren Boutiquen schlenderten. Irgendwann war uns dann nach einem Kaffee zu mute und stolperten in einem der zahlreichen Cafés auf Nicolas, einem Belgier, den wir zwei Tage zuvor erst in Peking verabschiedet hatten. Die Verblüffung war wieder groß und einem fällt wieder auf, wie klein die Welt ist.
Nach weiterem Bummeln sind wir dann zu Jörgs liebster Freizeitbeschäftigung gefahren: einem Massagesalon und haben uns dort eine Stunde von kichernden Chinesinnen durchkneten lassen. Völlig entspannt ging es zum Thailaender zum Essen und zurück zur erleuchteten Skyline von Shanghai.
Nach kurzer Rast auf dem Sofa haben wir uns dann knappe 2 Std gelangweilt. Wieso? Wir haben das EM Finale geguckt. Bin mir sicher, euch ging es ähnlich, oder?
Am nächsten Morgen sind wir dann ins alte traditionelle Chinatown gefahren und haben knapp 2 Stunden im Teehaus gechillt und hervorragenden Blütentee geschlappert. Dazu gab es irgendwelche sehr skurrile Snacks. Daher auch mein Gesichtausdruck auf den Bildern!
Meine anschließende Rückfahrt war dann ein Abenteuer ohne Sondergleichen. Dazu dann im nächsten Eintrag mehr....

Mittwoch, 16. Juli 2008

Die naechsten Tage...

Unser Programm bestand eigentlich aus zwei Wochen Vorlesungen. Oh Gott wie schrecklich, moegt ihr jetzt denken! Nun, wir hatten eigentlich immer nur morgens Vorlesung bis etwa 12 Uhr. Dann ging es in den Bus zu den Sehenwuerdigkeiten die Peking zu bieten hat.
Auf der Liste standen die Chinesische Mauer, der Sommerpalast, die Verbotende Stadt, ein Hutong (traditionelles Stadtviertel) und ein Tempel.
Nun, um es kurz zu machen: es war wirklich beeindruckend. Die aelteste Kultur haben wir wirklich hautnah erlebt. Die Verbotene Stadt fand ich zum einen ein wenig enttaeuschend. Haette ich mir die Bauten doch eigentlich ein wenig pompöser vorgestellt. In den meisten Palastgebaeuden war einfach ein Thron oder ein Bett oder ein Schrank. Andererseits waren diese Bauten weitaus groesser als ich sie mir jemals vorgestellt habe. Und auch die Architektur ist verblueffend. Da schaffen die Chinesen es doch tatsaechlich ein Dach zu bauen ohne es durch ein Nagel oder eine Niete zu befestigen.
Die Mauer war mein zweitliebstes Highlight. Wir hatten an dem Tag super Glueck mit dem Wetter – strahlend blauer Himmel. Mit dem Bus ging es also 1,5 Std. in noerdliche Richtung ins Gebirge. Tja, ich haette auch hier gedacht, das Ding wuerde irgendwo in der Praerie stehen. Im Tal angekommen blickte ich also hinauf und hinauf und hinauf und sah sie: DIE MAUER! Also die Chinesische. Es sei an dieser Stelle erwaehnt, dass dieses Exemplar bestimmt nicht von den Ossis haette eingerissen werden koennen. Nun gut... Es hiess im Vorwege von unserem Tour Guide Larry, dass jeder der die Mauer besteigt ein Held sei. Ich wusste nach zwei Stunden bergauf bei 30 Grad auch wieso. Nassgeschwitzt (ich Idiot musste ja auch ne lange Jeans anziehen) aber gluecklich stand ich schliesslich auf dem hoechsten Punkt der Mauer: 888 Meter. Selbstverstaendlich ist diese Hoehe kein Zufall, denn die 8 ist schliesslich DIE Glueckszahl im Chinesischen. So hatte auch eine Bruecke im Sommerpalast GENAU 17 Boegen. Warum? Na wenn der Kaiser in der Mitte stand, hatte er zu jeder Seite 8 Boegen vor bzw. hinter sich. Und der Boden in der Verbotenen Stadt bestand aus 8 Steinschichten, damit sich auch keiner per Tunnel hinein butteln konnte. Mal ganz ehrlich...glaubt ihr an solch mathematische Glanzleistungen?
Nun ja, kurz zum Highlight der Sightseeing Tour: Die Akrobaten Show. Nun, unmissverstaendlich sind hier Akrobaten zu sehen. Ich dachte, ich wuerde einschlafen, aber die Show war der wahnsinn. Da huepft per Spungbrett ein Akrobat per Salto rueckwaerts auf die Schultern eines anderen und bleibt tatsaechlich stehen. Ich war schon voellig aus dem Haeuschen, aber dann kam noch einer geflogen und landete auf den Schultern des Kollegen der bereits auf den Schultern des anderen stand. Und es war immer noch nicht Schluss. Insgesamt stapelten sich am Ende 6 Akrobaten.
Eine Schlagenfrau war dann als naechstes. Die Frau hatte meiner Meinung nach keine Wirbelsaeule. Wir die sich verraengte—wahnsinn. Also man muss das wirklich mal live gesehen haben. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr hinaus.
Peking an sich ist sonst eine nette grosse Metropole. Probleme bereitet einem der Smog. Immer und ueberall ist es quasi neblig und obwohl staendig jemand dabei ist irgendwo zu putzen und Muell zu sammeln wird die Stadt von einem grauen Film ueberzogen. Gut, 12 Millionen Menschen auf einem Haufen...kaum Umweltbestimmungen. Da passiert es leicht mal. Ich denke, so wie man sich den Ruhrpott in den 50ern vorstellt, sieht es heute in Peking aus.
Die Menschen sind alle ziemlich freundlich. Klar, die rotzen dir ganz gerne mal vor die Fuesse, aber das hab ich mal unter „Kultur“ abgestempelt. Was wirklich erstaunlich war, war dass wirklich kaum jemand ein Wort Englisch sprach. Man denkt ja, dass ein Taxifahrer Universitaet und Innenstadt versteht, aber ohne Karte und vorher eingeholten Schriftzeichen war man aufgeschmissen. Hinzu kommt noch ein weiterer Kulturfaktor: Chinesen sagen nicht, wenn sie etwas nicht wissen oder gar nein. So kam es ein paar Mal vor, dass man entweder in die falsche Richtung geschickt wurde oder die Taxifahrt statt 20 min, eine Stunde dauerte, weil der Taxifahrer den Weg nicht kannte.
Das tollste war in den gesamten zwei Wochen aber wirklich die Gruppe. Man denkt, dass MBA Studenten alle ziemlich eigen, dickkoepfig und wenig anpassungsfaehig sind. Doch das war bei weitem die homogenste Truppe, die ich je erlebt habe – keinen Anfuehrer, keine Aussenseiter, keine Grueppchenbildung, einfach Harmonie pur. Ich habe wirklich jeden einzelnen Tag und jedes einzelne Wort mit den Leuten genossen, viele ins Herz geschlossen und der Abschied war doch ein wenig schwer...

Mittwoch, 2. Juli 2008

Geschäfte machen in China...

So lautete zumindest der Titel des Sommerschulprogrammes für das ich mich an der legendären Peking Universität (Studentenrevolte 1989) angemeldet hatte.
Meine China Erfahrung sollte mit der Taxifahrt vom Flughafen zum Hotel beginnen. Englisch war zumindest fuer den Taxifahrer genauso sehr eine Fremdsprache wie fuer mich Chinesisch. Als ich dann auf der Fahrt auf der einen Seite Olympia Bauten entdeckte, allerdings das Vogelnest (das Olympiastadion) nirgends entdecken konnte, fand ich mich wild mit den Armen fuchtelt auf der Ruecksitzbank des Taxis wieder und versuchte den elegantesten Vogel nachzuahmen, den ich konnte. Wahrscheinlich sah ich aber wohl doch eher aus wie der Albatross bei Berhard & Bianca. Nun, um die Geschichte abzuschliessen: Haette ich mal gleich auf der anderen Seite des Taxis aus dem fenster geschaut, haette ich gleich das Stadion entdeckt und haette mich nicht zum Affen bzw. Vogel machen muessen.
Im Hotel angekommen traute ich dann meinen Augen nicht recht. Ich war doch tatsaechlich in einem 5-Sterne-Hotel untergekommen. Meines Erachtens ein wenig uebertrieben, aber durften wir kein anderes Hotel buchen. Nach einem kleinen Nickerchen beschloss ich dann eine rauchen zu gehen. Wer haette gedacht, das der naechste Kulturschock werden wuerde. Ich begab mich also in Lobby und fragte die Bedienung hoeflich nach einem Aschenbecher. Der kam dann auch prompt der zweite Kellner und teilte mir einen Platz zu. (Ich war uebrigens der einzige Gast in der Lobby). Ein Dritter brachte mir dann ein Glas Einwasser. Sehr zuvorkommend. Als ich dann ich Schluck davon nippte, schoss sofort ein Vierter um die Ecke, um mein Glas wieder aufzufuellen. Man stelle dich nun also mal bitte bildlich vor, wie ich in dieser Hotellobby sitze und mich 4!!!! Servicekraefte anstarren und darauf warten wieder etwas fuer mich tun zu koennen.
Zum Mittagessen sind Chris und ich dann das erste Mal raus aus dem Hotel. Wir waren am verhungern. Wir fanden auch alsbald ein nettes kleines Bistro, doch dort angekommen verstand man uns trotz der besten Pantomime und der deutlichsten Ausprache MEEEEEEEEEENNNNNUUUUUUUUUUUUUUUUU?? nichts. Wir entschieden unser Glueck im naechsten Restaurant zu versuchen, doch auch in den naechsten 3 stiessen wir auf gleichen Misserfolg. Nach 1 Std Fussmarsch durch Smog und ueber 8 spurige Strassen ohne Fussgaengerueberweg haben wir dann auch eine nette kleine Kneipe mit englischer Karte gefunden.
Am Abend war dann eine nette kleine Vorstellungsrunde. Man stellte sich mit Namen vor, begruesste die neuen Bekanntschaften, wiederholte deren Namen und doch wussten alle, dass man sich die eh alle nicht merken kann. Aber eine bunte Mischung verschiedener Nationalitaeten hatten wir: Deutsch (echt!? Boah!) US-Amerikanisch, Kanadisch, Hollaendisch, Iranisch, Omanisch, Russisch, Britisch und Argentinisch.
Es versprach also interessant zu werden...

Mein Sommer hat begonnen..

...und ich bin im Reisefieber. Leider hat man deswegen auch schon lange nichts neues mehr auf dieser Seite hier gelesen. Falls ihr öfter vergebens in den letzten Wochen nach Updates geschaut habt, tut es mir leid.
Was hab ich also die letzten Wochen so erlebt? Am 24. Mai hab ich Singapur hinter mir gelassen und bin nach Deutschland geflogen. So sehr mir Asien gefällt, war ich doch froh nach 8 Monaten die gebratenen Nudeln, Singlish, die Uni und vor allem das heiße Wetter hinter mir lassen zu können. Mein Freude war dementsprechend groß, als ich in Hamburg aus dem Flieger stieg und das erste Mal seit Monaten harte Nippel bekomme habe vor Kälte. In dickem Pulli und langer Hose ging es dann auch erstmal mit Mutti und Werner zu Ikea zum Essen. Es ist ja schließlich Spargel-Saison gewesen. Kulinarisch gesehen, habe ich die darauf folgenden 3 Wochen auch alles nachgeholt, was ich die Monate zuvor nicht hatte: Fleisch, Käse, Fleisch, frische Brötchen, Fleisch, Aufschnitt, Fleisch.... Auch Sauerfleisch und Döner durfte natürlich nicht fehlen.
Nach einer Woche Heimaturlaub und Nordish Sight Seeing mit Volker sind wir dann zu Rock am Ring gefahren. Hier habe ich dann auch meinen Bierentzug nachgeholt und es genossen mich zusammen mit 84.999 Gleichgesinnten einfach kräftig daneben zu benehmen (Auch hier muss ich mich ja immer zurücknehmen). Ach und Konzerte war natürlich auch dabei. Gavin Rossdale hat alte Bush Lieder performt, Metallica konnte ich aus der 2. Reihe sehen und Incubus lies es krachen.
Nach einem kurzen Leverkusen-/ Köln-Abstecher (ich hatte ein wenig Sehnsucht nach Dom und Bayerkreuz) ging es dann doch für ein paar Tage nach Kiel bevor ich am 14. Juni dann aufbrach nach Peking.Mein Sommer hat begonnen..

Meine Reisekarte