Mittwoch, 16. Juli 2008

Die naechsten Tage...

Unser Programm bestand eigentlich aus zwei Wochen Vorlesungen. Oh Gott wie schrecklich, moegt ihr jetzt denken! Nun, wir hatten eigentlich immer nur morgens Vorlesung bis etwa 12 Uhr. Dann ging es in den Bus zu den Sehenwuerdigkeiten die Peking zu bieten hat.
Auf der Liste standen die Chinesische Mauer, der Sommerpalast, die Verbotende Stadt, ein Hutong (traditionelles Stadtviertel) und ein Tempel.
Nun, um es kurz zu machen: es war wirklich beeindruckend. Die aelteste Kultur haben wir wirklich hautnah erlebt. Die Verbotene Stadt fand ich zum einen ein wenig enttaeuschend. Haette ich mir die Bauten doch eigentlich ein wenig pompöser vorgestellt. In den meisten Palastgebaeuden war einfach ein Thron oder ein Bett oder ein Schrank. Andererseits waren diese Bauten weitaus groesser als ich sie mir jemals vorgestellt habe. Und auch die Architektur ist verblueffend. Da schaffen die Chinesen es doch tatsaechlich ein Dach zu bauen ohne es durch ein Nagel oder eine Niete zu befestigen.
Die Mauer war mein zweitliebstes Highlight. Wir hatten an dem Tag super Glueck mit dem Wetter – strahlend blauer Himmel. Mit dem Bus ging es also 1,5 Std. in noerdliche Richtung ins Gebirge. Tja, ich haette auch hier gedacht, das Ding wuerde irgendwo in der Praerie stehen. Im Tal angekommen blickte ich also hinauf und hinauf und hinauf und sah sie: DIE MAUER! Also die Chinesische. Es sei an dieser Stelle erwaehnt, dass dieses Exemplar bestimmt nicht von den Ossis haette eingerissen werden koennen. Nun gut... Es hiess im Vorwege von unserem Tour Guide Larry, dass jeder der die Mauer besteigt ein Held sei. Ich wusste nach zwei Stunden bergauf bei 30 Grad auch wieso. Nassgeschwitzt (ich Idiot musste ja auch ne lange Jeans anziehen) aber gluecklich stand ich schliesslich auf dem hoechsten Punkt der Mauer: 888 Meter. Selbstverstaendlich ist diese Hoehe kein Zufall, denn die 8 ist schliesslich DIE Glueckszahl im Chinesischen. So hatte auch eine Bruecke im Sommerpalast GENAU 17 Boegen. Warum? Na wenn der Kaiser in der Mitte stand, hatte er zu jeder Seite 8 Boegen vor bzw. hinter sich. Und der Boden in der Verbotenen Stadt bestand aus 8 Steinschichten, damit sich auch keiner per Tunnel hinein butteln konnte. Mal ganz ehrlich...glaubt ihr an solch mathematische Glanzleistungen?
Nun ja, kurz zum Highlight der Sightseeing Tour: Die Akrobaten Show. Nun, unmissverstaendlich sind hier Akrobaten zu sehen. Ich dachte, ich wuerde einschlafen, aber die Show war der wahnsinn. Da huepft per Spungbrett ein Akrobat per Salto rueckwaerts auf die Schultern eines anderen und bleibt tatsaechlich stehen. Ich war schon voellig aus dem Haeuschen, aber dann kam noch einer geflogen und landete auf den Schultern des Kollegen der bereits auf den Schultern des anderen stand. Und es war immer noch nicht Schluss. Insgesamt stapelten sich am Ende 6 Akrobaten.
Eine Schlagenfrau war dann als naechstes. Die Frau hatte meiner Meinung nach keine Wirbelsaeule. Wir die sich verraengte—wahnsinn. Also man muss das wirklich mal live gesehen haben. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr hinaus.
Peking an sich ist sonst eine nette grosse Metropole. Probleme bereitet einem der Smog. Immer und ueberall ist es quasi neblig und obwohl staendig jemand dabei ist irgendwo zu putzen und Muell zu sammeln wird die Stadt von einem grauen Film ueberzogen. Gut, 12 Millionen Menschen auf einem Haufen...kaum Umweltbestimmungen. Da passiert es leicht mal. Ich denke, so wie man sich den Ruhrpott in den 50ern vorstellt, sieht es heute in Peking aus.
Die Menschen sind alle ziemlich freundlich. Klar, die rotzen dir ganz gerne mal vor die Fuesse, aber das hab ich mal unter „Kultur“ abgestempelt. Was wirklich erstaunlich war, war dass wirklich kaum jemand ein Wort Englisch sprach. Man denkt ja, dass ein Taxifahrer Universitaet und Innenstadt versteht, aber ohne Karte und vorher eingeholten Schriftzeichen war man aufgeschmissen. Hinzu kommt noch ein weiterer Kulturfaktor: Chinesen sagen nicht, wenn sie etwas nicht wissen oder gar nein. So kam es ein paar Mal vor, dass man entweder in die falsche Richtung geschickt wurde oder die Taxifahrt statt 20 min, eine Stunde dauerte, weil der Taxifahrer den Weg nicht kannte.
Das tollste war in den gesamten zwei Wochen aber wirklich die Gruppe. Man denkt, dass MBA Studenten alle ziemlich eigen, dickkoepfig und wenig anpassungsfaehig sind. Doch das war bei weitem die homogenste Truppe, die ich je erlebt habe – keinen Anfuehrer, keine Aussenseiter, keine Grueppchenbildung, einfach Harmonie pur. Ich habe wirklich jeden einzelnen Tag und jedes einzelne Wort mit den Leuten genossen, viele ins Herz geschlossen und der Abschied war doch ein wenig schwer...

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