Ein paar kleine Geschichten:
• Ein indonesischer Kommilitone war total verstört, als er erfuhr, dass es in Singapur und der „westlichen Welt“ verboten ist Musik und Filme aus dem Internet zu downloaden. Ich hingegen war daraufhin weniger überrascht von einem Erlebnis auf Bali (gehört ja zu Indonesien). Denn dort saßen wir eines Abends in einem Restaurant als der Dorfsheriff zu uns an den Tisch kam und uns eine Palette gefälschter DVDs zum Kauf anbot.
• Kenyi, ein japanischer Mitstudent ist froh, endlich mal nur einen 14-Std.-Tag zu haben. In seiner Firma in Japan fängt sein Arbeitstag meist um 8.30 Uhr an und endet nicht vor Mitternacht oder 2 Uhr in der Früh.
• In Deutschland grüßt man mit: „Hallo, wie geht’s?“. In den USA meist mit einem „How are you doin’?“, worauf die Antwort häufig auch nur lautet: „How are you doin’?“. In Singapur sind die Mahlzeiten die zentralen Geschehnisse des Alltags und so grüßt man meist mit: „Hello, have you had your dinner yet?“ Leider habe ich für mich noch keine Standardantwort gefunden. Ich habe aber festgestellt, dass wenn ich ausführlich antworte, mein Gegenüber meist gelangweilt ins Leere starrt.
• Das bringt mich zur nächsten Erfahrung. Erzähle ich, dass ich noch nicht gegessen habe, folgt häufig die Frage: „Are you going to have mushroom cream soup?“ Ich weiß nicht warum, aber für Singapurer ist das allem Anschein nach DAS Standardessen für Europäer.
• Besonders alte Leute können sich in U-Bahnen nicht benehmen. Sie drängeln generell gegen eine Masse von 30 aussteigenden Leuten an. Zumindest bis sie auf mich treffen. Da ich meist 2 Köpfe größer und 20 kg schwerer bin, haben sie gegen mich meinen Willen ihnen „die zivilisierte Art und Weise“ zu zeigen keine Chance!
• Kenyi (der Japaner aus Geschichte 2) war gestern bei uns wegen einer Gruppenaufgabe in dem Fach Financial Management“. Kurzer Hand beschlossen Chris und ich Kenyi etwas zu essen anzubieten. Er nahm die Einladung gerne an und so servierten wir Schwarzbrot mit Leberwurst, saßen uns neben ihn und glotzen ihn wie Zoobesucher beim Verspeisen an. Zu unserer und wohl auch Kenyis Überraschung schmeckte ihm die typisch deutschte Komposition ziemlich gut.
• Der gemeine Amerikaner fängt an zu klatschen und johlen, wenn er ein A (Note 1) bekommt. Obwohl ich ein Jahr in den Staaten verbracht habe, bleibt diese Art für mich befremdend bis abstoßend.
• „Struktur“ scheint dem Asiaten meist ein Fremdwort zu sein. Gut, mal abgesehen, dass hier das deutsche Wort steht, diskutieren sie gerne zuerst A, dann D, dann kurz wieder A, um kurz C anzuschneiden, bevor C kurz angesprochen wird… Für wäre dann der Zug meist nach 5 Minuten abgefahren, würde ich nicht die alte europäische Kunst des „strukturierten Arbeitens“ anwenden. Das Ende vom Lied bleibt dann jedoch, dass ich der Hauptansprechpartner für die Gruppe werde und somit mehr Arbeit habe.
Mehr solcher Geschichten fallen mir gerade nicht ein, werden aber folgen…
Mittwoch, 23. Januar 2008
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