Im Mai 2006 bin ich schon mal einen Marathon gelaufen und hatte mir beim Ueberqueren der Ziellinie geschworen, sowas NIE wieder zu machen. 2 Tage spaeter kitzelte es dann schon wieder. Fuer einen neuen Anlauf hat mir dann aber stets die Zeit gefehlt. Na ja, vielleicht hab ich auch einfach immer die richtigen Ausreden gefunden.
In Singaur hat es mich dann ziemlich genervt, dass ich nie richtig laufen gehen konnte, weil mir das Klima bzw die Luftfeuchtigkeit einen Strich durch die Rechnung machte. Es blieb als nur das Laufband im Fitnesstudio. Aber laenger als 30 min hat man auch nicht Lust auf den gleichen Fleck zu starren.
Ich las dann, dass die University of North Carolina, der meiner Buiness School anghoert, ein Marathonteam hat. Ein wenig uebermotiviert habe ich mich direkt angemeldet, obwohl die Gruppe schon seit Sommer auf ihr erstes Rennen trainierte - einen Halbmarathon Anfang November.
Ich hatte also genau 2 Wochen Zeit mich vorzubreiten. Und das ging nach anfaenglichen Zweifeln auch sehr gut. Bereits nach einer Woche bin ich mit dem Team 17 km gelaufen – auch wenn ich dabei an meine Grenzen gestossen bin.
Am 08.November fuhr ich dann mit dem Team los Richtung Ostkueste. Genauer gesagt nach Kitty Hawk. Wem das nichts sagt, der mag vielleicht den Trailer fuer die neue Richard Gere Liebesschnulze (Das Laecheln der Sterne) oder gar schon den kompletten Film gesehen haben, der genau hier gedreht wurde.
An dieser Stelle ein wenig Werbung:
Fuer die nicht so Filminteressierten: Kitty Hawk ist beruehmt fuer die Gebrueder Wright. Das sagt manchen auch nichts? Also: Das waren die, die als erstes tatsaechlich geflogen sind. Die Pioniere der Luftfahrt
Die Fahrt dauerte insgesamt 4 Stunden, was ganz gut war, denn so konnte ich mich das erste Mal wirklich mit den Leuten unterhalten. Bei meinem 17 km Lauf mit denen, hatte ich echt besseres zu tun mit meiner Luft. ☺
Endlich angekommen, ging es zuerst zur Registrierung, um Startnummern, T-Shirt und Zeitmess-Chips zu besorgen. Im Hotel haben wir dann unsere Quartiere bezogen und haben Pasta gekocht und gefuttert bis der Kohlenhydratspeicher voll bzw. mir schlecht war.
Bis 22 Uhr haben wir dann noch ein Saturday Night Special (Satire-Sendung) zur US Wahl geguckt. Ich hab sogar mehr Witze verstanden, als so manch ein Ami. Na ja, vielleicht fand ich es auch als einziger lustig oder habe was falsch verstanden....
Um 5 Uhr morgens gings dann raus in die Kaelte und an den Start, der um 7 Uhr erfolgen sollte. Bis dahin war ich beschaeftigt meinen 1 Liter Sportdrink und meine Packung Muesliriegel (mehr Kohlenhydrate) zu leeren. In der Startaufstellung angekommen, passierte es dann: der Liter Sportdrink sauste durch meine Nieren schlagartig in meine Blase, doch fuer eine Pinkelpause war es zu spaet. So unangenehm es auch war, aber die ersten 6 Meilen (9,5 km) schoss ich nur so durchs Feld und ueberholte einen Lauefer nach dem anderen. Ich war auf dem Weg zumindest den Olympiarekord zu brechen. Dann endlich kam ein Dixi-Klo auf der Strecke.
Die naechsten 4 Meilen gingen in aehnlichem Tempo weiter und als ich am Highlight der Strecke ankam (die Bruecke die im Hintergrund der Fotos zu sehen ist), redete ich mir ein es fast geschafft zu haben. Allerdings waren noch 3 Meilen uebrig. 2 Meilen vor Schluss traf mich dann der Hammer und jeder Schritt tat einfach nur noch weh und war muehsam. Auf den letzten Metern wollte ich ein Gehpause einlegen, doch als ich um die Ecke bog, sah ich gerade noch den Fotografen und so versuchte ich moeglichst locker in den Kamera zu grinsen, so als ob es mit super ginge. Ich denke, das Foto beweist das Gegenteil.
Beim Ueberqueren der Ziellinie zeigte die Stoppuhr 2:01, was spaeter auf 1:54:53 korrigiert wurde. Ohne Pinkelpause haette ich es also locker unter 1:50 geschafft (ich musste Schlange stehen), und das obwohl mein selbsterklaertes optimistisches Ziel bei 2:10 lag.
Nach dem Rennen wollte ich Luftspruenge machen, doch meine Knie und Hueften kamen denen eines 75-jaehrigen gleich.
Im Hotel angekommen hiess es nur noch duschen und zurueck aufs Bett. Gegen Mittag wegte mich dann mein Hunger und so fuhr ich mit Kyle zur fettigsten Burgerbude, die Kitty Hawk zu bieten hat: Cheeseburger mit zwei Frikadellen und extra Kaese, Speck und 3 Sossen. Dazu ne grosse Pommes mit Ketup. Alles kam in eine braune Papiertuete, die bereits nach wenigen Minuten durch das viele triefende Fett transparent wurde. Wir fuhren zum Strand genossen jeden Bissen.
Es ist schon merkwuerdig, aber nach so einem Lauf habe ich bisher immer das dringende Verlangen gehabt meinen Koerper zu vergiften. So viel laufen ist einfach zu gesund! Ich glaube, das ist auch der Grund, warum bei solchen Laufveranstaltungen stets massenweise Bier ausgeschenkt wird.
Kurz vor Abfahrt begegnete mir dann die pure Ironie. Wahrend ich (junger Huepfer) mich wie 75 fuehlte, kam ich mit einem solchen Herren ins Gespraech. Er war auch gerade den Halbmarathon gelaufen und fuehlte sich seiner Aussage nach wie 25. Ich konnte nicht wirklich lachen...
Die Rueckfahrt war ruhig. Jeder hatte es wenig Schlaf nachzuholen.
Freitag, 14. November 2008
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1 Kommentar:
Respekt! Ich bin ja erklärte Anti-Joggerin, sage aber gerne Herzlichen Glückwunsch zu der Leistung :-)
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