Sonntag, 10. Februar 2008

Eine weitere asiatische Erfahrung

Am Freitag war mal Pause vom Lernen angesagt. Die Paukerei wurde durch Party ausgetauscht. Erste Anlaufstelle war dann Richards und Inas (auch MIBSe) Apartment. Zu dumm, dass wir uns verlaufen haben und erst einmal rund ums Condo laufen mussten, bis wir endlich am Eingang angekommen waren. Für meine beiden ostdeutschen Mitbewohner Kati und Franzi war das aber glaube ich eine ziemlich schmerzhafte Erinnerung: Überall Mauern und man kommt einfach nirgends drüber. ;)
Nun ja, einmal angekommen, trafen wir dann auch auf den Rest der Partytruppe: Richard, Ina, Kati, Franzi (hab ich ja schon vorgestellt), Yves (Schweizer), Tomacz und Emma (Slowenien), Howard (USA) und Matthias (Deutscher). Bei kräftig Bier und Whisky-Cola mit Limette (solltet ihr mal probieren!) und alle erdenklichen Kompositionen, die das Schnapsregal zu ließen, haben wir dann vorgeglüht. Nach dem ich mich dann eigentlich schon an Erdnüssen und Chips satt gefuttert hatte ging es weiter zu einem indischen Restaurant. Ich bin mal wieder nicht an Nan (indisches Brot), Chicken Masalla, Butter Chicken und anderen komisch aussehenden aber leckeren Köstlichkeiten vorbei gekommen. Muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich schon reichlich angetrunken war? Nun ja, das Bier zum Essen hat den Pegel dann auch gut gehalten.
Dann gings via Taxi zur Orchard Road. Die habe ich glaube ich schon mal beschrieben. Tagsüber ist dies DIE Shopping-Meile Singapurs und somit ein Traum für (fast) jede Frau. Abends dann bieten jede Menge Bars, Restaurants und Clubs der konsumfreudigen Masse Vergnügen.
Für uns ging es in eine Karaoke-Bar. Ich hab’s ja immer ein wenig für ein Gerücht gehalten, aber Asiaten scheinen wirklich total darauf abzugehen. Die Nummerierung der meist kleinen und intimen Trällerkammern ging bis 86. Und in jede die ich geschaut habe, hingen mindestens 6 Leute am Mikrofon. Na ja, kann auch sein, dass ich zu dem Zeitpunkt schon doppelt gesehen habe.
Statt einer kleinen Butze, haben wir einen VIP-Raum reserviert. Wir waren ja 10 Leute. Bei Whisky (diesmal leider ohne Limette), Gin und Bier ging die Party dann richtig los. Zu Backstreet Boys, Madonna, Take That, Mamas and Papas, Cher und vielen anderen grölten und trällerten wir dann was die Stimmbänder hergaben. Meine Paradedisziplin war natürlich ein gekonnt inszeniertes Cover von Bon Jovis „Bed of Roses“. Ich glaub ich war nicht schlecht, nur meine Gesangstimme bleibt schlechter als die einer heiseren, in den Schwanz gebissenen Katze. Immerhin, diesmal haben keine Ohren geblutet.
Ich würde euch noch gerne mehr erzählen, aber ehrlich gesagt, kann ich mich an Detail nicht mehr wirklich erinnern. Ich weiß nur, dass ich Kati dann im Taxi zur Sau gemacht habe, weil sie zugelassen hat, dass ich mich so betrunken konnte. ;)
Ich hoffe die Bilder erzählen noch mehr.



Erstaunlicher Weise bin ich am nächsten Morgen ohne Kopfschmerzen aufgewacht. Die anschließende Vorlesung in Rechnungswesen war betrunken dann auch nur halb zu schlimm….

Montag, 4. Februar 2008

Was gibt es denn sonst so neues?

Tja nach 3,5 Monaten in Singapur ist nun wirklich entgültig der Alltag eingekehrt und der besteht daraus zur Uni zugehen, sich auf die Vorlesungen vorzubereiten, sich zu versuchen zu motivieren etwas zu tun (wie jetzt gerade) und neuerdings auch aus Lernen. In zwei Wochen stehen nämlich die Final Exams in allen Fächern an. Ein wenig Muffensausen hab ich schon, aber das wird schon.
Da kommt es ganz gelegen, dass ich diese Woche frei habe, da fast überall in Asien Chinese New Year gefeiert wird. Statt wegzufahren, werde ich aber eben der neusten Veränderung meines Alltages nachgehen.
Ein paar aufregende Geschehnisse gibt es aber dennoch zu berichten:

• Als Nachtrag: Bin wegen meines Ohres dann doch noch zu einem HNO-Arzt gegangen. Zuvor musste ich aber herausfinden, wie man diese Bezeichnung denn am besten ins Englische übersetzen könnte. Mein Wörterbuch schlug als Übersetzung folgendes vor: „otorhinolaryngologist“ Nach 2 Std Üben der richtigen Aussprache hab ich dann meinen Gastvater in den USA angerufen und er meinte, sag einfach: ENT, was für Ear, Nose and Throat Doctor steht. Super, das kann selbst ich sagen.
Am nächsten Tag in der Arztpraxis angekommen, war meine positive Überraschung über die günstigen Behandlungskosten auch abrupt vorbei. Denn ein kurzes Ohrenaussaugen kostet auch in Singapur 75€.

• Am Samstag veranstalteten wir für ein paar Kommilitonen eine Pasta-Party bei uns der WG. Das tolle daran: man spart bares Geld, wenn man seinen Gästen sagt, die sollen ein paar Bierchen mitbringen. Denn Alkohol ist weiterhin verdammt teuer hier. Nun ja und bei Spaghetti, Bier und Uno wurde es ein sehr heiterer und lustiger Abend.

• Am Sonntagmorgen ging es dann mal wieder zum „Brünch“ ins Paulaner Bräuhaus. Es war mal wieder traumhaft und ich konnte futtern wie ein Mähdrescher – vielleicht auch weil ich diesmal aufs Bier verzichtete.

• Am Montagabend lud dann meine Uni zum „Lunar Chinese New Year Dinner“ ein – ich hatte ja die Tage zuvor noch nicht genug gegessen. Verwöhnt vom Vortag schmeckte mir das Essen aber nicht sonderlich. Ich glaube, ich werde einfach kein Fan wirklich chinesischer Speisen werden. Aber neben dem Essen gab es auch Ballet (oder so was in der Art), Gesangseinlagen (DSDS Castings liefern durchaus bessere Töne), Tombola und neue Bekanntschaften.

•Ich habe mich für 8 Fächer nächstes Trimester registriert. Wird zwar anstrengend, aber sicherlich spannender als die Fächer die ich momentan belege. Zudem habe ich meine eine Woche Ferien Ende des Monats über Bord geworfen uns werde stattdessen ein paar Intensivkurse machen. Unter anderem ist „Creativ Thinking“ dabei. Vielleicht wird mein Blog dann demnächst auch mal ein wenig aufregender. *g*
Das Tolle an meiner Fächerwahl ist, dass ich wohl im nächsten Trimester keine Klausuren schreiben muss und so noch eine Woche mehr Sommerferien habe

•Ach, ich komme übrigens im Sommer für ein paar Wochen in die Heimat. Warum? Metallica und (so hoffe ich) Bon Jovi kommen zu Rock am Ring. Und da will ich dabei sein. Na ja, ein wenig vermissen tu ich euch auch alle. ;)

Heute Abend geht es dann wohl noch nach China Town, wo dann so richtig Chinese New Year gefeiert werden soll. Auch ein Feuerwerk soll es geben. Fotos und Bericht werde ich dann bald online stellen.

So, nun muss ich aber erstmal lernen….

Und euch allen ein Happy Chinese New Year.
Es ist übrigens ab jetzt das Jahr der Ratte!

Donnerstag, 31. Januar 2008

Gesundheitsreform mal nachgefragt…

Ich kann mich noch gut an die vielen Diskussion rund um die Krankenkassenbeiträge und Arztgebühren erinnern. Gut, Ärzte sind auch einfach schweineteuer. Aus meinen Zeiten als Privatpatient (ach war das schön…) weiß ich auch noch was ein einminütiges Telefonat mit einem Arzt kostet: 8€ (Stand: 1998).
Nun musste ich hier das erste Mal in Singapur zum Arzt. Schicke Arztpraxis, viel Personal, 15 Minuten Behandlung, Medikamente und ein nettes Wort zum Abschied. Und das ganze für gerade mal 14€.
Tja, das Preisniveau zwischen Deutschland und Singapur ist ziemlich ähnlich und daher frage ich mich ernsthaft, wieso denn Arztbesuche in Deutschland sooo viel mehr kosten!!??

Kurze Anmerkung für Mutti: Keine Sorge, ich hab nur ne Entzündung im Ohr. Ich muss wohl noch nicht sterben.

Mittwoch, 23. Januar 2008

Kultur, andere Ansichten oder einfach überraschend…

Ein paar kleine Geschichten:

• Ein indonesischer Kommilitone war total verstört, als er erfuhr, dass es in Singapur und der „westlichen Welt“ verboten ist Musik und Filme aus dem Internet zu downloaden. Ich hingegen war daraufhin weniger überrascht von einem Erlebnis auf Bali (gehört ja zu Indonesien). Denn dort saßen wir eines Abends in einem Restaurant als der Dorfsheriff zu uns an den Tisch kam und uns eine Palette gefälschter DVDs zum Kauf anbot.

• Kenyi, ein japanischer Mitstudent ist froh, endlich mal nur einen 14-Std.-Tag zu haben. In seiner Firma in Japan fängt sein Arbeitstag meist um 8.30 Uhr an und endet nicht vor Mitternacht oder 2 Uhr in der Früh.

• In Deutschland grüßt man mit: „Hallo, wie geht’s?“. In den USA meist mit einem „How are you doin’?“, worauf die Antwort häufig auch nur lautet: „How are you doin’?“. In Singapur sind die Mahlzeiten die zentralen Geschehnisse des Alltags und so grüßt man meist mit: „Hello, have you had your dinner yet?“ Leider habe ich für mich noch keine Standardantwort gefunden. Ich habe aber festgestellt, dass wenn ich ausführlich antworte, mein Gegenüber meist gelangweilt ins Leere starrt.

• Das bringt mich zur nächsten Erfahrung. Erzähle ich, dass ich noch nicht gegessen habe, folgt häufig die Frage: „Are you going to have mushroom cream soup?“ Ich weiß nicht warum, aber für Singapurer ist das allem Anschein nach DAS Standardessen für Europäer.

• Besonders alte Leute können sich in U-Bahnen nicht benehmen. Sie drängeln generell gegen eine Masse von 30 aussteigenden Leuten an. Zumindest bis sie auf mich treffen. Da ich meist 2 Köpfe größer und 20 kg schwerer bin, haben sie gegen mich meinen Willen ihnen „die zivilisierte Art und Weise“ zu zeigen keine Chance!

• Kenyi (der Japaner aus Geschichte 2) war gestern bei uns wegen einer Gruppenaufgabe in dem Fach Financial Management“. Kurzer Hand beschlossen Chris und ich Kenyi etwas zu essen anzubieten. Er nahm die Einladung gerne an und so servierten wir Schwarzbrot mit Leberwurst, saßen uns neben ihn und glotzen ihn wie Zoobesucher beim Verspeisen an. Zu unserer und wohl auch Kenyis Überraschung schmeckte ihm die typisch deutschte Komposition ziemlich gut.

• Der gemeine Amerikaner fängt an zu klatschen und johlen, wenn er ein A (Note 1) bekommt. Obwohl ich ein Jahr in den Staaten verbracht habe, bleibt diese Art für mich befremdend bis abstoßend.

• „Struktur“ scheint dem Asiaten meist ein Fremdwort zu sein. Gut, mal abgesehen, dass hier das deutsche Wort steht, diskutieren sie gerne zuerst A, dann D, dann kurz wieder A, um kurz C anzuschneiden, bevor C kurz angesprochen wird… Für wäre dann der Zug meist nach 5 Minuten abgefahren, würde ich nicht die alte europäische Kunst des „strukturierten Arbeitens“ anwenden. Das Ende vom Lied bleibt dann jedoch, dass ich der Hauptansprechpartner für die Gruppe werde und somit mehr Arbeit habe.

Mehr solcher Geschichten fallen mir gerade nicht ein, werden aber folgen…

Sonntag, 20. Januar 2008

Tea Time

Nach einer Woche voller Gruppenarbeit, Assignments und Vorlesungen (selbst Samstag) habe ich heute meinen Sonntag mal fast ganz zum Entspannen genutzt. Mein Kopf fühlte sich eh nicht so an, als könne er großartige, kreative Ideen leisten, denn gestern ging es nach der Vorlesung noch auf ein oder zwei (vielleicht auch drei) Bierchen nach Holland Village.
Heute habe ich dann mein Weihnachtsgeschenk von Kati eingelöst – eine traditionelle chinesische Tee-Zeremonie.
Im „Tea Chapter“ angekommen, nahmen Kati und ich dann auf dem Fußboden platz und studierten die Getränkekarte. Gut, Früchte- und Kamillentee kenn ich ja noch, aber keines von beiden fand sich in der Auswahl des Teehauses wieder. Wir fragten also die Bedienung und sie empfahl uns zwei verschiedene Sorten probieren. So orderten wir dann
1. Qi Men Hong Cha (roter Tee)
2. Imperial Golden Classia (Oolong Tee)

Und kurze Zeit später kam unsere Zeremoniemeisterin auch schon wieder und deckte den Tisch mir allen möglichen Utensilien in Miniaturgröße ein. Erstaunlich, aber alles hatte eine genaue Bezeichnung. So war eine Zange auch nicht einfach nur eine Zange, sondern eine Teezange. Auch ein stinknormaler Lappen war nicht einfach nur ein solcher, sonder ein Teetuch. Gut, trotzdem versuchte ich ernst zu bleiben.
Dann wurde uns die Teezubereitung erklärt. So, damit ihr es mal nachmachen könnt, hier die genaue Anleitung:
1. Den Teekessel mit kochendem Wasser erwärmen.
2. Wasser aus Teekessel über die Teeschenke kippen.
3. Wasser aus der Teeschenke in den Teeriechbecher schütten.
4. Wasser aus dem Teeriechbecher in das Teetrinktässchen kippen.
5. Teekessel zu 1/3 mit Teeblättern füllen. Dabei den Teedosierlöffel benutzen.
6. Den Tee dann mit heißem Wasser kreisend aufgießen.
7. Teekessel mit Teekesseldeckelchen verschließen.
8. Den ersten Aufguss nicht trinken. Sondern damit die Schritte 2 bis 4 wiederholen.
9. Den in die nun aufgefüllten Gefäße über dem Teekesselchen entleeren.
10. siehe Schritt 6 und 7
11. Den Tee genau 30 Sekunden ziehen lassen. Eine Uhr mit Sekundenzeiger kann hier zur Hilfe genommen werden. Ich bin mir aber sicher, dass es hierfür auch ein digitales Teeziehzeitmessgerät gibt.
12. Den Tee nun in die Teeschenke kippen.
13. Nun weiter auf die Teeriechbecher verteilen.
14. Riechen
15. Entspannt gucken.
16. Beschreiben was man riecht.
17. Den Tee in das Teetrinktässchen umfüllen. Kleckern ist hier nicht zu vermeiden.
18. Verschütteten Tee mit Teetuch aufwischen.
19. Leeren Trinkriechbecher in der Hand rotieren lassen, dabei abkühlen lassen und immer wieder daran riechen.
20. Teetrinktässchen an den Mund führen
21. Ersten Schluck trinken.
22. Zweiten Schluck trinken.
23. Dritten Schluck trinken.
24. Merken, dass man sich die Zunge verbrannt hat.

Der gute Tee kann nun 5 Mal aufgebrüht werden. Jedes Mal ist die Brühzeit um exakt 5 Sekunden zu verlängern.

Hierzu mal wieder ein paar Bilder, die die Nachahmung erleichtern könnten.



Mein Fazit:
Somelierés sind totale Kulturbanausen. Teetrinken ist das nächste Level für Leute, die noch schlauer als Weintrinker daher reden wollen.

Meine Reisekarte