Es war Mittwoch, der 31. Oktober. Nur noch 4 Tage und schon wäre der schöne und lange Urlaub vorbei. Ab Montag heißt es dann also bis Mitte Dezember die Schul- bzw. Business School – Bank drücken. Kati und mich überkam die Angst des Alltages. Kurzerhand schlugen wir also den Lonley Planet (Reiseführer) auf und entschlossen uns dazu einen Kurztrip nach Malaysia zu unternehmen. Zumindest für ein paar Tage wollten wir noch einmal raus. Meine anderen Mitbewohner waren auf die Schnelle dann leider nicht mehr zu überreden oder hatten auch keine Zeit.
Ich holte also meinen gerade verstauten Rucksack raus, schmiss ein paar Sachen zum Wechsel hinein, legte meinen Pass bereit und ging schlafen.
Mitten in der Nacht (um 7.30 Uhr) klingelte dann der Wecker. Kurz geduscht und schnell gefrühstückt, setzten wir uns in die MRT (U-Bahn in Singapur) und fuhren bis zum Busbahnhof. Zu unserem Glück wartete noch der nächste Bus bis Melaka und für 8 € (im Folgenden werde ich immer gleich umrechnen) saßen wir mit Ticket und einem Lächeln im Bus auf dem Weg nach Malaysia.
Nach 4 ½ Std Fahrt und einer langen Grenzkontrolle waren wir schließlich in dem kleinen Städtchen Melaka angekommen. Kurzerhand stiegen wir um in ein Taxi und machten uns zum ersten Hostel auf, das der Lonley Planet führte. Für 5 € pro Nase checkten wir in ein Doppelzimmer mit Klimaanlage ein, schmissen aber nur kurz unsere Sachen hinein und machten uns auf in die sehenswerte Altstadt. Auf dem Weg dorthin machten wir völlig ausgehungert Rast in der nächsten Futterbude, was ausgerechnet ein McDoof sein sollte. Als BWLer hier ein kurzer Kommentar zum BigMäc – Indikator: Das Menü für ca. 1,50 €.
In der Altstadt angekommen, lud uns der Lonely Planet zu einem Erkundungsspaziergang ein: 2,2 km, Dauer: 3 Std. Was gleich auffiel war der holländische und portugiesische Einfluss aus den letzten Jahrhunderten. So steht auch heute noch im Zentrum das rote „Stadthuys“, das mit Steinen aus dem niederländischen Zeeland erbaut wurde. Weiter ging unsere Reise durch enge, aber sehr schöne Gassen, vorbei an Tempeln aller Religionen und Museen. An dem „Baba-Nonya Heritage Museum“ machten wir schließlich halt. Ein prunkvolles Haus, das einem chinesischen Geschäftsmann Ende des 18 Jh. gehörte. Beinahe sämtliche Möbel im Inneren waren von nahezu unschätzbarem Wert und aus China importiert.
Am Ende des Stadtrundganges kamen wir dann auf den St. Paul’s Hill. Hier steht eine malerische Kirchenruine (siehe Fotos). Zusammen mit einer (meiner Meinung nach) japanischen Reisgruppe versuchten wir dann das beste Motiv mit unseren Kameras einzufangen. Nach kurzer Zeit und vielen interessierten Blicken, kam dann einer aus der Gruppe zu mir uns fragte mich nach „Photo, Photo“. Der gemeine Europäer denkt dabei natürlich sofort an eine Falle und lehnt dankend ab. Doch mein Gegenüber ließ nicht locker und nachdem er versprach kein Geld von mir zu wollen, ließ ich mich schließlich breitschlagen. Alles was er wollte war ein Foto zusammen mit mir und seinem Kumpel. Plötzlich standen 20 weitere Japaner um mich herum und fotografierten mich ebenfalls. Dann noch ein kleines Mädchen, das auch mit mir festgehalten werden wollte. Und ich? Tja, ich stand wie versteinert da und fragte nur, wer ich denn ihrer Meinung nach wäre. Doch alles was ich erfuhr war: „C’mon… you’re a Superstar!!“ Wenn dem so ist, frage ich mich wo das große Geld bleibt!! Vielleicht ist mein Blog auch in ganz Japan berühmt. In diesem Fall: Einen lieben Gruß!
Aber gut,…mit aufgepumpten Ego machte ich mich dann mit Kati auf zum nächsten Hawker Center (asiatische Fresstempel). Noch billiger als bei McDoof schlugen wir uns hier erneut die Bäuche voll.
Abends saßen wir dann im Hostel und plauderten mit anderen Backpackern aus England, der Schweiz und Deutschland über bisherige Reisen und verglichen Europa und Südostasien. Der Hang zur Philosophie, den sowieso jeder Backpacker mitbringt, wurde durch ein paar Bierchen und den herrlichen Ausblick von der Dachterrasse des Hostels auf Melaka automatisch angeheizt. Hier fiel dann auch die Entscheidung am nächsten Tag nach Gunung Ledang zu fahren. Ausschlaggebend war hier der Tipp, dass uns wunderschöne Wasserfälle erwarten sollten.
Die Busreise am nächsten Morgen gestaltete sich dann ein wenig umständlicher. Zumal wir diesmal auf „local busses“ angewiesen waren und somit nicht den touristischen Standart der Expressbusse hatten. Aber es macht so natürlich noch mehr Spaß – der Abenteuergeist war geweckt!
Entsprechend wurden wir dann von den anderen Fahrgästen auch angeguckt: „Weiße Touristen in unserem Bus!?“ schien auf jedermanns Stirn geschrieben zu sein. Selbst in den Dörfern, durch die wir fuhren, lösten wir meist stauende Blicke aus, so fass sogar mit Fingern auf uns gezeigt wurde. Besondern Kati schien mit ihrem „goldenen Haar“ aufzufallen.
Nach 3 Std näherten wir uns schließlich unserem Ziel und so gingen wir zum Busfahrer vor, um ihn noch einmal daran zu erinnern uns auch ja an der richtigen Haltestelle raus zu lassen. Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass er den 15 to schweren Bus aber gar nicht wirklich lenkte, sondern nur mit seinen Handballen auf dem Lenkrad ruhte. Seine Hände brauchte er, um Papier zu falten und mit einem Taschenmesser klein zu schneiden. Auch die Augen waren dementsprechend eher auf das Geschehen in seiner Hand gerichtet als auf das der Straße. Dennoch, auf einmal bremste er, öffnete die Tür und wir stiegen aus - lebendig. Als sich die Staubwolke schließlich verzog, orientierten wir uns. Doch wir standen in der Mitte vom Nichts. Nur ein großes Schild deutete uns den Weg zum Nationalpark.
Nach 2 km Marsch durchs Nichts kamen wir schließlich an den Ausläufern der Wasserfälle an und wir checkten in ein Ressort ein, das ebenfalls lag. Immerhin kostete die Nacht hier 20 € pro Nase in einem Deluxe Doppelzimmer (andere wollte man uns nicht geben). Und wieder luden wir nur kurz unser Gepäck ab und bestiegen den Mount Ophir, um die Wasserfälle zu finden. Nach gut 20 Minuten kamen wir dann an den ersten größeren Wassersturz und sprangen ins (endlich mal) kühle Nass. Als ich dann die Kamera zum Fotoschießen holen wollte wurde ich plötzlich von Kati zurück ins Wasser gepfiffen: „Ben, Ben, Beeeeen!! Ahhh…ein Leguan!!“. Auf die Schnelle nicht wissend, was mich den nun beißen wolle, sprang ich auch zurück ins Wasser. Wahrscheinlich schrie ich dabei wie ein kleines Mädchen, doch dies soll nicht so überliefert werden… :) Als ich mich dann umdrehte, sah ich noch den ca. 1 m langen Schwanz des Leguans hinter einem Felsen verschwinden. Insgesamt muss dieses Ding also eine Länge von ca. 3 Metern gehabt haben. Froh noch alle (!) Gliedmaßen am Körper zu wissen, stiegen wir den Berg weiter hinauf und kamen an eine noch schönere Stelle des Wasserfalls, wo wir dann schließlich für eine ganze Weile nur die Seele baumeln ließen, bevor es dann am späten Nachmittag zurückging.
Das Abendprogramm im Ressort beschränkte sich dann auf (nicht ganz tolles) Essen, so dass wir im Zimmer schließlich vor der Glotze landeten. Und da passierte es: In der Werbung kam ein Spot, der dazu einlud jetzt die Greatest Hits der jemals größten Superstars zu kaufen: MODERN TALKING!!! Mir fiel alles aus dem Gesicht, als ich Dieter Bohlen und Thomas Anders über den Bildschirm hampeln und kreischen sah. Mein neu gewonnenes Superstar-Ego war sogleich am Boden zerstört.
Am nächsten Morgen machten wir uns schließlich mit dem Bus auf nach Segamat, von wo aus wir dann mit der Bahn zurück nach Singapur fuhren…
Samstag, 3. November 2007
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